Am 2. und 5. Juni lädt die Gemeinde zum großen Festprogramm mit historischem Treiben
Ammerthal (sp). In der Gemeinde Ammerthal geht es am 2. und 5. Juni richtig rund: Dann feiert die Ortschaft nämlich mit großem Programm das 1025- jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Das Programm beginnt am Donnerstag, 2. Juni (Christi Himmelfahrt) mit einem bunten Abend in und vor der Sporthalle (Einlass ab 17 Uhr). Nach der Begrüßung durch Erste Bürgermeisterin Alexandra Czarnec (18.30 Uhr) folgen ein Auftritt der Schulkinder sowie Grußworte von Landrat Richard Reisinger, Shimon Sousan aus der israelischen Partnergemeinde Modiin und Stefan Helml, dem Autor der Chronik „1000 Jahre Ammerthal“.
Am darauffolgenden Sonntag, 5. Juni, kehrt die Gemeinde Ammerthal sozusagen in die Vergangenheit zurück, und zwar mit einem historischen Markt rund um den Dorfplatz. Dem offiziellen Anblasen des Marktes um 12 Uhr durch Fanfarenbläser der Ammerthaler Blaskapelle geht um 10.30 Uhr ein Festgottesdienst voraus. Neben einem Auftritt der Kindergartenkinder um 14.30 wird um 16.30 Uhr ein Historienspiel aufgeführt. Die Ammerthaler Institutionen und Vereine beteiligen sich mit einem vielfältigen Programm am Historischen Markttreiben. Beim Heimat- und Kulturverein kann man sich alte Handwerkskünste wie Besen und Strohschuhe binden oder das Spinnen einweisen lassen. Das Tölpel-Sport-Team zeigt eine Fotoausstellung mit dem Thema „Bäuerliches Ammerthalim Pfarrheim. Wer das Fest alkoholfrei genießen möchte, sollte am Stand des Kindergartens vorbeischauen, dort gibt es nämlich eine Saftbar; außerdem kann man dort Luftballons fliegen lassen.
OWZ-Zeitungsartikel vom 01.06.2011: Amardela statt Ammenberg
Als Ammerthal eine Metropole war
Zum Auftakt seiner 1025-Jahr-Feier hat sich die Ammerthaler Bürgermeisterin Alexandra Czarnec etwas Besonderes ausgedacht: Auf dem Dachboden der Volksschule, so erinnerte sie sich, muss noch ein Modell der alten Burg „Amardela“ liegen. Das Modell, zur 1000-Jahr-Feier vor 25 Jahren gebaut, war genau das Richtige. Jetzt steht es wieder zusammengebaut in einem „Burgzimmer“ gleich am Dorfplatz, das von einem Ammerthaler Bürger zur Verfügung gestellt wird.
Gebaut hat das Modell der gebürtige Ammerthaler Stefan Helml, der heute in Amberg wohnt. Zum 1000-Jährigen hatte er nicht nur eine umfangreiche Chronik über seinen Heimatort geschrieben, sondern auch das Burgmodell gebaut. Dabei war ihm der ehemalige Rektor der Volksschule, Hans Koller, mit seiner Klasse behilflich gewesen, wie sich Alexandra Czarnek („Ich war damals 15 Jahre alt“) erinnert. 48 200 Gipsziegel gossen sie, dazu kamen 21 800 aus Pappe ausgeschnittene Dachziegel. Alles wurde mit Pattex zu einer Burganlage im Maßstab 1:33 zusammengeklebt.
Natürlich genau nach historischem Vorbild. „Von 1961 bis 1968 fanden hier archäologische Grabungen statt“, erklärt Stefan Helml. „Danach habe ich die Burg rekonstruiert.“ Man hatte damals eine gigantische Burganlage entdeckt, größer als alles anderen in der Gegend. „Es gab nicht viele Burgen in dieser Größe“, bestätigt auch Pfarrer Klaus Haußmann, der zum Segnen des Modells gekommen war, sich aber auch mit der Geschichte auskennt.
„Die Markgrafen hatten eine ganz herausragende Stellung“, erklärte der Amberger weiter. Im Jahr 1003 zerstörte König Heinrich II. die schöne Burg, der Anfang vom Ende. Amberg, erst im Jahr 1034 als „Villa Ammenberg“ erstmals erwähnt, war damals „noch ein Dorf“. „Civitas Amardela“ dagegen „eine richtige Stadt“.
Markgrafen (französisch „Marquis“) waren Adelige, die eine Grenzmark als Lehen hatten. Also ein Gebiet, das direkt an der Reichsgrenze des Fränkischen Reichs lag. Die Burg Ammerthal war um 940 von den Babenbergern aus Schweinfurt gebaut worden, die unter anderem von hier aus die Grenze des Nordgaus verteidigten. Markgraf Heinrich hatte es sich dummerweise mit König Heinrich II. verscherzt, als er ihm „Gepäck und Silbergeschirr“ geraubt hatte, wie die Gemeinde in ihrer Chronik schreibt, worauf seine Burg zerstört wurde.
Dieter Strobel, der Kulturbeauftragte der Gemeinde Ammerthal, zeigt künftig nach Voranmeldung das Burgmodell und erklärt die Geschichte. Die Historische Theatergruppe Amberg-Sulzbach zeigt beim Jubelfest am Wochenende am Sonntag, 5. Juni, um 16.30 Uhr am Dorfplatz beim Historischen Markt die Ortsgeschichte spielerisch.